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Agrarische Bildung: Internationale Konferenz in Süditalien

„Der Blick von außen öffnet viele Türen!“

 

Von 16. bis 17. Oktober 2014 fand in Locorotondo (Apulien) das internationale Treffen agrarischer Schulen statt. EUROPEA Italien war Veranstalter und LehrerInnen aus 19 EU-Staaten besuchten die Konferenz. Aus Österreich nahmen Elisabeth Hönigsberger (Lehrerin der Weinbauschule Krems, stellvertretende Generalsekretärin von EUROPEA International) und Gabriele Kampel (Dozentin der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik) teil.

Europaweite Entwicklungspotentiale landwirtschaftlicher Bildung standen im Mittelpunkt von Diskussionen und Vorträgen. Dazu führte Gabriele Kampel ein Gespräch mit Elisabeth Hönigsberger.

Gabriele Kampel: Sie sind Expertin für die Internationalisierung agrarischer Schulen und gerade von der EU-weiten Tagung heimgekehrt, welche Eindrücke bringen Sie mit?

Elisabeth Hönigsberger: Wiederum begegnete ich vielen interessierten Menschen, die positiv denken und Bildung nach vorne bringen möchten. Es gibt für agrarische Schulen in den Bereichen Weinbau, Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Pflanzenbau, Tierhaltung viele Möglichkeiten international zu arbeiten und in Projekten zu kooperieren. Auch der gemeinsame Wunsch der Mitgliedsländer Statuten von EUROPEA International zu überarbeiten und damit organisatorische Abläufe zu vereinfachen ist wichtig. Damit werden wir in den nächsten Monaten beschäftigt sein.

Gabriele Kampel: SchülerInnen bekommen über das Netzwerk EUROPEA die Gelegenheit in landwirtschaftlichen Schulen und Betrieben Praktika zu machen. Können Sie uns über besondere Erfahrungen von SchülerInnen erzählen?

Elisabeth Hönigsberger: Zwei Schüler der Fachschule Hohenlehen (Niederösterreich) machten ein 3-wöchiges Praktikum an einem landwirtschaftlichen Betrieb in den Niederlanden im Rahmen des Projekts ANGIE 2.0. Sie wurden sowohl von dem Landwirt als auch von Lehrkräften der landwirtschaftlichen Schule AOC Terra sehr gut betreut und fühlten sich dementsprechend wohl. Sie mochten ihre Arbeit und fanden dabei die optimale Unterstützung. Sie waren in den täglichen Arbeitsablauf eingebunden und haben sich durch Selbstständigkeit gepaart mit gutem Fachwissen bewährt. So bewährt, dass ihnen auch immer mehr Verantwortung übertragen wurde. Ihre Erfahrungen haben sie in Blogs dargestellt, die wir im Projekt dann verwendet haben, um auch informell erworbene Lernergebnisse zeigen zu können.

Da es den Burschen so gut gefallen hat und sie sehr viel Neues gelernt haben, kehrten die beiden nach Beendigung des Schuljahres an den landwirtschaftlichen Betrieb in den Niederlanden zurück. Der Landwirt und die Landwirtin warteten bereits und nahmen diese Situation zum Anlass, erstmals gemeinsam eine Woche Urlaub zu machen. Sie hatten volles Vertrauen in die Fähigkeiten der Burschen und überließen ihnen den Betrieb mit 150 Kühen. Den beiden wurde ein sehr hohes Maß an Verantwortung und Vertrauen gegeben, das sie meisterhaft umsetzten.

Dankenswerter Weise werden viele dieser Auslandspraktika auch über die österreichische Landjugend finanziell gefördert.

Gabriele Kampel: Gibt es auch  für LehrerInnen Mobilitätsprojekte?

Elisabeth Hönigsberger: Seit 1998 laufen regelmäßig Mobilitätsprojekte für AusbildnerInnen, die über die Nationalagentur Leonardo da Vinci gefördert werden. Im derzeitigen Projekt haben LehrerInnen des agrarischen Bildungssektors die Möglichkeit in zwölf Partnerländern bis zu zweiwöchige Praktika zu absolvieren – egal ob im Bereich der Tierhaltung, der Imkerei, der Lebensmittelverarbeitung, Aquakultur, pädagogischer Konzepte oder der Schulorganisation . Die TeilnehmerInnen definieren  den eigenen Lernbedarf und machen sich auf den Weg, in ausländischen Bildungseinrichtungen Antworten auf ihre Fragestellungen zu  finden. Die Erfahrungen der LehrerInnen sind großartig: Schulstrukturen, Ausbildungsmodelle und eigenes Verhalten werden wie von selbst reflektiert, erkannt, was in der eigenen Schule gut läuft und wo Verbesserungen angebracht sind. Der Blick von außen öffnet viele Türen.

Gabriele Kampel: Inhaltlicher Schwerpunkt des ersten Tages war der europäische Qualifikationsrahmen. EQR ist ein Instrument, um Bildungsabschlüsse EU-weit transparent und vergleichbar zu machen. Welchen Nutzen haben SchülerInnen davon?

Elisabeth Hönigsberger:  Sobald der europäische Qualifikationsrahmen von den Regierungen beschlossen ist, sind Bildungsabschlüsse international verständlich und Qualifikationen transparent. Ein/e ArbeitgeberIn im Ausland weiß nun über die Kompetenzen eines /einer BewerberIn Bescheid, wenn er/sie beispielsweise im Level 4 als FacharbeiterIn eingestuft ist. Unternehmen erfahren somit über die Eigenständigkeit und die Verantwortung, die sie den BewerberInnen übertragen können. SchülerInnen können dann gezielt dort eingesetzt werden, wo sie Fertigkeiten und Wissen mitbringen. 

Gabriele Kampel: Frau Hönigsberger, welche Visionen haben Sie für die agrarische Bildung?

Frau Hönigsberger:  Ich wünsche mir, dass Praxisbetriebe ihre Verantwortung im Lernprozess der PraktikantInnen verstärkt wahrnehmen. „Was können die PraktikantInnen? - Was lernen sie?“, das sind zwei sehr zentrale Fragestellungen, die für den Kompetenzererwerb der SchülerInnen wichtig sind. Die müssen definiert sein.

Für diese intensive Zusammenarbeit zwischen Schule und Betrieb ist aber auch notwendig, dass diese Lernbegleitung in der Lehrverpflichtung verankert ist. Die Kompetenzentwicklung unserer SchülerInnen ist zu wichtig, um zwischen Tür und Angel passieren zu können.

Meine zweite Vision bezieht sich auf die Mobilität der im Beruf stehenden LehrerInnen. Es soll zur  Selbstverständlichkeit werden, dass sich LehrerInnen agrarischer Schulen regelmäßig im Ausland weiterbilden. Zum einen kann die Fremdsprachenkompetenz aufgefrischt, zum anderen Einsicht in fremde Bildungsmodelle genommen werden. Bislang Selbstverständliches wird hinterfragt und mit anderen Augen gesehen.

Und meine dritte Vision bezieht sich auf  die LehrerInnenausbildung: Internationale Erfahrung sollte ein verpflichtender Teil der LehrerInnenausbildung sein. Jede/r StudentIn erhält während des Studiums die Chance, sich einige Wochen in fremdsprachigen Bildungseinrichtungen aufzuhalten und zu lernen. Das wär doch was?

Gabriele Kampel: Herzlichen Dank, Frau Hönigsberger, für dieses informative und vielseitige Gespräch. Ich wünsche Ihnen, dass viele Ihrer Bildungsvisionen umgesetzt werden.

     

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                                                               Elisabeth Hönigsberger und Gabriele Kampel

Pressebeitrag von:  Mag. a Gabriele Kampel

Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik

www.agrarumweltpaedagogik.ac.at

Angermayergasse 1

1130 Wien

O1/877 22 66/42